Home
Adressen
Chronik
Europe
Mariechenmarkt
Visit Gütersloh
Service
Dante Alighieri. Bild: Archiv

Schandamt in Gütersloh

Von KWS, Kunst und Kultur, Polemik, 144 Views

#Schandamt in #Gütersloh

  • Warum »ehrenamtlich« noch lange nichts mit »Ehre« zu tun hat

#Gütersloh, 19. September 2026

Das #Ehrenamt ist heilig. Jedenfalls in Gütersloh.

Wer sich ehrenamtlich engagiert, darf angeblich mit #Dank, #Urkunden, #Händeschütteln, #Gruppenfotos und warmen Worten rechnen. #Politik und #Verwaltung werden nicht müde zu betonen, wie unverzichtbar das Ehrenamt für die #Stadtgesellschaft sei. Ohne Ehrenamt, so hört man immer wieder, funktioniere unsere Gesellschaft nicht (das stimmt sogar). Nur folgt daraus ein bemerkenswerter Fehlschluss: dass ehrenamtliches Handeln automatisch ehrenhaftes Handeln sei und dass ehrenamtliches Engagement automatisch mit Respekt, Dank, Anstand oder Ehre verbunden sei.

Ist es nicht.

Wer freiwillig Verantwortung übernimmt, übernimmt #Verantwortung. Das klingt banal, scheint aber gelegentlich in Vergessenheit zu geraten. Das Wort »Ehrenamt« ist indes keine #Generalabsolution. Es verwandelt schlechte #Kommunikation nicht in gute Kommunikation, #Ausgrenzung nicht in #Teilhabe und #Cliquenwirtschaft nicht in #bürgerschaftliches #Engagement.

Und vor allem ist »Ich mache das doch ehrenamtlich« kein universeller Freifahrtschein. »Sie machen das doch ehrenamtlich« freilich auch nicht.

Natürlich kann man von einem kleinen #Verein mit 3 Aktiven nicht dieselben Verwaltungsstrukturen erwarten wie von einem #Unternehmen mit hundert Beschäftigten. Natürlich darf im Ehrenamt etwas improvisiert sein. Natürlich kann eine Antwort länger dauern. Und natürlich dürfen Menschen Fehler machen.

Aber zwischen fehlender Professionalität und fehlendem Anstand besteht ein Unterschied.

Wer Anfragen ignoriert, Menschen ausgrenzt, Informationen nur im vertrauten Kreis verteilt, Kritik persönlich nimmt oder öffentliche Aufgaben wie einen privaten Club behandelt, wird nicht dadurch unangreifbar, dass er dafür kein Gehalt bekommt.

Im Gegenteil: Gerade dort, wo #Ehrenamt #gesellschaftliche #Macht bekommt, muss man genauer hinschauen.

Vereine, Initiativen, Verbände und ehrenamtlich organisierte Einrichtungen entscheiden mitunter darüber, wer Zugang bekommt, wer gehört wird, wer auftreten darf, wer Informationen erhält und wer Teil eines lokalen Netzwerkes wird. Das ist nicht nichts. Das ist gesellschaftliche Macht im Kleinen.

Und Macht wird nicht automatisch sympathischer, nur weil sie unbezahlt ausgeübt wird.

In Gütersloh wird gern von »#Miteinander«, »#Engagement«, »#Netzwerken«, »#Teilhabe« und »#Stadtgesellschaft« gesprochen. Das Vokabular ist makellos. Man könnte damit vermutlich eine komplette Innenstadt pflastern.

Interessanter ist die Praxis.

Wie offen sind diese Strukturen tatsächlich für Menschen, die nicht seit 20 Jahren dazugehören? Wie wird mit Kritikern umgegangen? Wie mit unbequemen Leuten? Wie mit Menschen, die nicht aus dem richtigen Verein, dem richtigen Netzwerk oder dem richtigen persönlichen Umfeld kommen?

Eine offene Stadtgesellschaft erkennt man nämlich nicht daran, wie herzlich sich diejenigen gegenseitig auf die Schulter klopfen, die ohnehin dazugehören.

Man erkennt sie daran, wie sie mit denen umgeht, die nicht dazugehören.

Genau dort endet die #Folklore des Ehrenamtes und beginnt die Verantwortung.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, ehrenamtliches Engagement kleinzureden. Ganz im Gegenteil. Unzählige Menschen investieren Zeit, Geld und Energie, helfen anderen, organisieren Veranstaltungen, trainieren Jugendliche, kümmern sich um #Kultur, #Sport, #Soziales oder #Nachbarschaften – oft ohne irgendeine Gegenleistung.

Gerade deshalb sollte man das Ehrenamt nicht durch falsche #Sakralisierung entwerten.

Denn wer jedes Verhalten mit dem Hinweis auf Ehrenamt gegen Kritik immunisiert, tut den vielen Menschen keinen Gefallen, die ihre freiwillige Aufgabe tatsächlich verantwortungsvoll, offen und respektvoll wahrnehmen.

Vielleicht braucht Gütersloh deshalb neben dem Ehrenamt noch eine zweite Kategorie.

Das Schandamt

Es braucht keine Satzung, keine Geschäftsstelle und keinen Vorsitzenden. Mitglied wird man automatisch, sobald man entdeckt, dass gesellschaftliches Engagement auch hervorragend dazu geeignet ist, kleine Königreiche zu errichten, Informationen zu kontrollieren, Andersdenkende draußen zu halten und sich anschließend für den eigenen Dienst an der Gemeinschaft feiern zu lassen.

Eine Urkunde gibt es dafür allerdings nicht.

Noch nicht.

#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT