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Grafik: Biktora (»talk«), CC BY SA 2.5

Was wurde eigentlich aus »Freifunk Gütersloh«?

Von KWS, Technik und Internet, Internet, 15.906 Views

Was wurde eigentlich aus »Freifunk Gütersloh«?

#Gütersloh, 25. September 2026

Vor gut 12 Jahren war »#Freifunk« in Gütersloh ein großes Thema. Freies #WLAN für alle, offene #Funknetze, #Bürger, #Unternehmen und Öffentliche Einrichtungen, die eigene #Router zur Verfügung stellen – und irgendwann, so die Vorstellung, sollte daraus ein dichtes öffentliches WLAN Netz entstehen.

Es gab #Treffen, politische Diskussionen, #Ratsvorlagen und zahlreiche #Berichte. Wer heute durch die Gütersloher Innenstadt läuft, dürfte von dieser Aufbruchstimmung allerdings kaum noch etwas bemerken.

Gestartet 2014

Die #Gütersloher #Initiative ging im Juli 2014 unter der Adresse guetersloh.freifunk.net an den Start. Die Idee entsprach dem bundesweiten »Freifunk« Prinzip: Privatleute, Unternehmen und Einrichtungen stellen WLAN Router auf, auf denen eine spezielle freie #Software läuft. Die einzelnen Zugangspunkte können sich untereinander verbinden und gemeinsam ein offenes Netz bilden.

Schon bald wurde aus »Freifunk Gütersloh« wegen der Ausdehnung auf weitere Orte »Freifunk Kreis GT«.

Die Idee war ebenso einfach wie attraktiv: Statt eines zentral betriebenen kommerziellen WLAN Netzes sollte eine offene Infrastruktur entstehen, an der sich grundsätzlich jeder beteiligen konnte.

Und zeitweise sah es durchaus danach aus, als könnte daraus in Gütersloh mehr werden.

Die #Stadt wollte eigentlich ein größeres Netz

Auch die Gütersloher #Politik griff das Thema auf. Im Juli 2017 beschloss der Hauptausschuss, weitere öffentliche Gebäude und Plätze mit »Freifunk« Hotspots auszustatten.

Genannt wurden unter anderem Berliner Platz, Konrad Adenauer Platz, Willy Brandt Platz, #ZOB, Kolbeplatz, #Dreiecksplatz und Theodor Heuss Platz. Die Verwaltung sollte ein Umsetzungsmodell einschließlich Zeitplanung und Finanzierung vorlegen und nach Möglichkeit Fördermittel einsetzen.

Das klang nach dem Beginn eines systematischen Ausbaus.

Dazu kam es allerdings nicht.

Die »Freifunk« Initiative zog Ende 2021 selbst eine ernüchternde Bilanz: Seit dem politischen Beschluss von 2017 sei von der Stadt kein weiterer »Freifunk« Knoten aufgestellt worden.

Nach 5 Jahren war die Geduld zu Ende

Anfang 2023 änderte die Initiative schließlich ihren Kurs.

Nachdem das Vorhaben weiterer »Freifunk« Hotspots nach ihrer Darstellung mit einer neuen Ratsvorlage und der Rückgabe dafür vorgesehener Finanzmittel faktisch beendet worden war, erklärten die »Freifunker«, künftig nur noch mit der Stadt zusammenarbeiten zu wollen, wenn ein konkretes Projekt mit #Beschluss, #Budget und #Zeitplan vorliege.

Nach 5 Jahren Diskussion wollte man keine weiteren unverbindlichen Gespräche mehr führen.

Ganz beendet war der Kontakt damit offenbar trotzdem nicht. Im Herbst 2023 versuchte die Stadt erneut, Gespräche aufzunehmen. Die »Freifunker« verwiesen wiederum auf Vorschläge, auf die sie nach eigenen Angaben seit Monaten keine Antwort erhalten hatten.

Im Dezember 2023 bezeichnete die Initiative den Zustand hinsichtlich des städtischen Ausbaus weiterhin als Stillstand.

»Freifunk Gütersloh« gibt es noch

Wer nun allerdings glaubt, »Freifunk Gütersloh« sei irgendwann abgeschaltet worden, liegt falsch.

Das Netz existiert weiterhin.

Die aktuelle Knotenübersicht von »Freifunk Kreis GT« enthält zahlreiche aktive Zugangspunkte im gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus. Auch in Gütersloh selbst finden sich noch etliche Knoten.

Dazu gehören beispielsweise »Freifunk« Zugänge am #Rathaus und am Berliner Platz, beim »#Klimabüro«, im #Bürgerzentrum »#Lukas«, bei #Klingenthal, im #Parkbad sowie in Gastronomiebetrieben und Gewerbebetrieben.

Auch beim »Restaurant Syrtaki« existiert eine kleine Gruppe mehrerer miteinander verbundener »Freifunk« Knoten.

»Freifunk« ist also keineswegs verschwunden.

Aber wo ist das Netz?

Der Blick auf die aktuelle Knotenliste zeigt allerdings ebenso deutlich, was aus der ursprünglichen Idee nicht geworden ist.

Viele Zugangspunkte stehen weitgehend für sich. Bei zahlreichen Knoten weist die Übersicht keine Verbindung zu einem weiteren »Freifunk« Knoten aus.

Damit gibt es zwar »Freifunk« #Hotspots – aber eben kein dichtes Netz, durch das sich ein Nutzer beispielsweise durch die Gütersloher Innenstadt bewegen könnte.

Es sind WLAN #Inseln.

Mal befindet sich ein Zugangspunkt in einem Geschäft, mal in einer Öffentlichen Einrichtung, mal in einem Privathaus. An einzelnen Standorten gibt es mehrere miteinander verbundene Geräte.

Dazwischen liegen große Lücken.

Genau das dürfte auch erklären, warum »Freifunk« im Gütersloher Alltag heute kaum noch wahrgenommen wird. Ein öffentliches WLAN wird erst dann zu einer Infrastruktur, wenn ein Nutzer nicht vorher wissen muss, in welchem Gebäude zufällig ein entsprechender Zugangspunkt steht.

Technik lebt, lokale Vision nicht

Hinter den Kulissen ist die »Freifunk« Technik weiterhin lebendig.

Aus dem Gütersloher Umfeld entstand der Verein 4830.org. Die technische Infrastruktur wird weiter betrieben und entwickelt, das Tätigkeitsgebiet reicht inzwischen weit über Gütersloh hinaus.

Das ist durchaus eine Erfolgsgeschichte – allerdings eine andere als diejenige, über die vor Jahren in Gütersloh diskutiert wurde.

Damals ging es nicht in erster Linie darum, irgendwo #Server zu betreiben und einzelne WLAN Knoten am Leben zu erhalten. Die öffentlich wahrnehmbare Idee war ein freies, gemeinschaftlich aufgebautes WLAN Netz.

Und genau daraus ist in Gütersloh kein flächiges Angebot geworden.

Vom großen Versprechen zum #Flickenteppich

Man kann deshalb kaum behaupten, »Freifunk Gütersloh« sei gescheitert. Die #Technik funktioniert, die #Infrastruktur existiert und Menschen kümmern sich weiterhin darum.

Gescheitert ist etwas anderes: der Anspruch, daraus in Gütersloh ein dichtes, sichtbares und im Alltag selbstverständlich nutzbares öffentliches WLAN Netz zu machen.

12 Jahre nach dem Start ist davon vor allem ein Flickenteppich einzelner Hotspots geblieben.

Das ist umso bemerkenswerter, weil der praktische Bedarf keineswegs verschwunden ist. Gerade in Gebäuden, Cafés, Restaurants oder Teilen der Innenstadt mit schlechtem Mobilfunkempfang kann ein öffentlich zugängliches WLAN ausgesprochen nützlich sein.

Dafür muss heute allerdings auch nicht mehr unbedingt ein großes stadtweites »Freifunk« Projekt her.

Fast jeder moderne Router kann ein vom internen Netzwerk getrenntes Gäste WLAN bereitstellen. In einem Café mit vorhandenem Internetanschluss kann die pragmatische Lösung deshalb ausgesprochen unspektakulär aussehen:

#Gastzugang einschalten. QR Code ausdrucken. Fertig.

Vielleicht ist das am Ende auch die eigentliche Geschichte von »Freifunk Gütersloh«: Eine technisch interessante Idee hat überlebt. Die große Vision eines freien WLAN Netzes für die Stadt dagegen ist irgendwann auf dem Weg zwischen ehrenamtlichem Engagement, Verwaltung, Politik und jahrelangen Gesprächen verlorengegangen.

Die Router funken noch.

Das Netz, von dem einmal die Rede war, ist nie entstanden.

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