Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare, 109 Views
#NOW #Kommentar: #Deutschland ist nicht führungslos. Deutschland ist orientierungslos.
#Gütersloh, 22. September 2026
Wenn man dieser Tage eine Schlagzeile liest oder eine Eilmeldung hört, die mit den Worten »BUNDESKANZLER FRIEDRICH MERZ …« beginnt, ergänzt die innere Stimme beinahe automatisch: »… tritt zurück!«
Tut er aber nicht.
Stattdessen folgt irgendeine #Erklärung, #Ankündigung, #Forderung oder #Stellungnahme. Und man fragt sich einmal mehr, was das nun eigentlich bedeuten soll. Für Deutschland. Für die Zukunft. Für irgendetwas.
Deutschland sei führungslos, heißt es gelegentlich. Aber das ist nicht nur ein historisch etwas unglücklich besetzter Begriff. Es trifft auch nicht den Kern des Problems.
Deutschland ist nicht führungslos. Deutschland ist orientierungslos.
Und das vor allem deshalb, weil es an #Persönlichkeiten fehlt, an denen man sich orientieren könnte. Auch der #Bundeskanzler bietet in dieser Hinsicht keinen erkennbaren Orientierungspunkt.
Dabei geht es keineswegs darum, einem politischen Führer hinterherzulaufen. Es geht auch nicht darum, dass ein Bundeskanzler unangefochtene Autorität genießen müsste oder seine Vorstellungen von allen geteilt werden sollten.
Ganz im Gegenteil.
Man muss einem Bundeskanzler nicht zustimmen, um zu wissen, wofür er steht. Man muss ihm nicht folgen wollen, um erkennen zu können, wohin er das Land führen möchte. Man muss seine politischen Vorstellungen nicht teilen, um zumindest nachvollziehen zu können, welche Vorstellungen er überhaupt hat.
Das wäre schon einmal ein Anfang.
Wo ist eigentlich vorne?
Politische Orientierung entsteht nicht dadurch, dass jemand ein #Amt bekleidet. Sie entsteht durch erkennbare #Grundsätze, nachvollziehbare #Entscheidungen und die #Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen eine Richtung zu vermitteln.
Ein #Bundeskanzler muss nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Er muss auch nicht jeden Tag eine neue Vision verkünden. Aber seine Entscheidungen sollten sich zu einem einigermaßen verständlichen Gesamtbild zusammenfügen.
Was soll aus diesem #Land werden? Welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen #Ziele werden verfolgt? Welche Prioritäten gelten, wenn nicht alles gleichzeitig möglich ist? Und welche Grundsätze haben auch dann noch Bestand, wenn ihre Einhaltung unbequem wird?
Das sind keine Fragen nach einem starken Mann. Es sind Fragen nach politischer Verlässlichkeit.
Denn wer Orientierung geben will, muss zunächst selbst eine haben.
Und wer von den Bürgern verlangt, Veränderungen mitzutragen, muss ihnen zumindest erklären können, wohin die Reise gehen soll.
#Orientierung ist keine #Gefolgschaft
Vielleicht liegt hier auch ein grundsätzliches Missverständnis unseres politischen Betriebs.
Führung wird allzu häufig mit der Durchsetzung von Entscheidungen verwechselt. Wer sich durchsetzt, gilt als führungsstark. Wer Mehrheiten organisiert, hat seine Führungsfähigkeit bewiesen. Wer eine #Koalition zusammenhält, darf sich als erfolgreicher Regierungschef betrachten.
Aber das sind zunächst einmal Fähigkeiten des politischen Managements.
Man kann eine Regierung verwalten, ohne dem Land eine Richtung zu geben. Man kann Kompromisse aushandeln, ohne eine erkennbare Vorstellung davon zu vermitteln, was am Ende dabei herauskommen soll. Und man kann politische Entscheidungen treffen, ohne dass sich daraus für die Bürger irgendeine Orientierung ergibt.
Ein Land ist schließlich kein Unternehmen, dessen Erfolg sich allein daran bemisst, ob die Geschäftsführung ihre Beschlüsse durch den Aufsichtsrat bekommt.
Und die #Bürger sind keine #Belegschaft, die morgens auf neue #Anweisungen wartet.
Sie müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Dafür brauchen sie keine politischen Leitfiguren, denen sie blind vertrauen. Sie brauchen nachvollziehbare Ziele, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Politik, deren Handeln sich an ihren eigenen Erklärungen messen lässt.
Orientierung bedeutet nicht, dass alle in dieselbe Richtung marschieren.
Orientierung bedeutet, dass jeder erkennen kann, wo er steht, wohin die verschiedenen Wege führen und welche Konsequenzen mit ihnen verbunden sind.
Ein Kanzler ist noch kein #Kompass
Friedrich Merz ist Bundeskanzler. Daran besteht kein Zweifel. Er verfügt über ein #Amt, politische #Macht und die institutionellen Möglichkeiten, die Richtung der #Bundesregierung maßgeblich mitzubestimmen.
Aber ein Amt ist noch kein Kompass.
Und eine Regierungserklärung ist noch keine Orientierung.
Wer politische Führung allein daran misst, ob jemand im Kanzleramt sitzt und Entscheidungen verkündet, verwechselt die Besetzung einer Position mit der Erfüllung ihrer Aufgabe.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Deutschland einen Bundeskanzler hat.
Die entscheidende Frage lautet, ob die Bürger anhand seiner #Politik erkennen können, wohin sich dieses Land entwickeln soll.
Man muss Friedrich Merz dafür nicht mögen. Man muss ihn nicht bewundern. Man muss nicht einmal seine politischen Ziele teilen.
Aber man sollte zumindest erkennen können, wo vorne ist.
Und wenn schon die Worte »BUNDESKANZLER FRIEDRICH MERZ …« im Kopf reflexartig mit »… tritt zurück« vervollständigt werden, dann wäre das vielleicht auch einmal eine Überlegung wert.
Nicht unbedingt für den Bundeskanzler.
Sondern für die Frage, warum man bei einer politischen Eilmeldung inzwischen eher mit einem Abgang rechnet als mit einem Aufbruch.
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