Von KWS, Kunst und Kultur, Glosse, 108 Views
Geteiltes #Leid, geteilte #Freude und die #Cowbell
#Gütersloh, 26. September 2026
Es heißt: Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid.
Das klingt schön. #Mathematisch ist es allerdings einigermaßen dubios.
Nehmen wir an, ich habe ein Leid von 100 Prozent und teile es mit einem anderen Menschen. Anschließend habe ich nur noch 50 Prozent Leid. Wunderbar. Der andere hatte vorher allerdings gar keins und hat jetzt ebenfalls 50 Prozent. Unter dem Strich hat sich überhaupt nichts verbessert.
Möglicherweise ist es sogar schlimmer geworden. Denn während ich immerhin schon Erfahrung mit meinem Leid hatte, sitzt nun ein vollkommen Unbeteiligter da und hat plötzlich welches.
Bei der #Freude sieht die Sache besser aus. Ich habe eine Freude, teile sie mit jemandem, und plötzlich haben wir beide eine. Das wäre tatsächlich eine wundersame Vermehrung ohne erkennbare volkswirtschaftliche Nebenwirkungen.
Leider funktioniert auch das nicht immer.
Es gibt nämlich Freude, die man nicht teilen kann.
Der vielleicht beste #Sketch, den »Saturday Night Live« (#SNL) je produziert hat, heißt »More Cowbell«. Christopher Walken spielt einen Musikproduzenten, Will Ferrell steht mit »Blue Öyster Cult« im Studio und bearbeitet mit wachsender Begeisterung eine Kuhglocke (Cowbell) zum Song »The Reaper«. Während alle anderen zunehmend wahnsinnig werden, verlangt #Walken immer mehr davon.
»More Cowbell.«
Das ist grandios.
Nur kann man das leider nicht jedem zeigen.
Denn dann sitzt der andere da und fragt: »Was ist daran jetzt so lustig?«
Und nun beginnt das Elend.
Man müsste erklären, wer »Blue Öyster Cult« ist. Man müsste etwas über amerikanische Rockmusik der 1970er Jahre erzählen. Über Studiomusiker, Produzenten, Christopher Walken und dessen eigentümliche Art, Sätze zu sprechen. Und irgendwann müsste man auch noch erläutern, dass die Cowbell in amerikanischen Musikerkreisen selbst ein gewisses komisches Eigenleben entwickelt hat.
Spätestens jetzt ist der #Sketch tot.
#Humor verträgt keine Fußnoten.
Eine »Led Zeppelin« Coverband hat das einmal sehr schön demonstriert. Sie spielte den »Immigrant Song«. Der Sänger macht sein berühmtes »Ah ah ah!«, dann kommt diese kleine Pause – und genau dort haut der Schlagzeuger mit voller Wucht auf die Cowbell.
Der Sänger bekommt beinahe einen #Lachanfall.
Mehr muss nicht passieren.
Aber eben nur, wenn man es versteht.
Die #Kuhglocke ist dabei nicht allein. In den USA hat beispielsweise auch das #Akkordeon in manchen musikalischen Milieus einen schweren Stand. Natürlich gibt es Genres, in denen es vollkommen ernstgenommen wird. Vor allem #Polka. Aber stellen Sie sich eine #Rockband auf einer Bühne vor. #Gitarrenwand, #Nebelmaschine, dramatisches #Licht. Der Sänger holt tief Luft.
Und dann kommt einer mit dem Akkordeon.
Man muss noch gar nichts gehört haben.
Manchmal reicht das Instrument.
Und damit wären wir wieder bei der geteilten Freude.
Denn vielleicht stimmt der alte Spruch nur unter einer Voraussetzung: Freude lässt sich überhaupt erst dann verdoppeln, wenn der andere den #Witz versteht.
Dazu braucht es einen gemeinsamen kulturellen #Zeichenvorrat. #Filme, #Bücher, #Musik, #Redewendungen, #Erinnerungen, #Anspielungen. Kulturellen #Literalismus. Tausend Dinge, die niemand erklären muss. Man hört ein Wort, sieht eine Geste oder eben eine Kuhglocke – und beide wissen Bescheid.
Fehlt dieser gemeinsame Vorrat, bleibt die Freude trotzdem bestehen. Nur lässt sie sich nicht übertragen.
Geteiltes Leid ist dann vielleicht halbes Leid.
Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Und unverstandene Freude?
Die sitzt allein vor dem #Bildschirm, schaut zum 20. Mal »More Cowbell« und lacht trotzdem.
Klonk!
#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT
